Wilhelm Kleinöder
καλός
Eine einzelne Calla, ohne Beiwerk – ein Genesungsgruß. Diese Schlichtheit ließ mich nachdenken: Wie inszeniert man eine einzelne Blüte fotografisch? Erinnerungen an Callas aus Magazinen und Ausstellungen kamen hoch, meist mit mehreren Stängeln.
Ich betrachtete sie lange, bevor ich sie durch die Linse sah. Licht, Perspektive und Hintergrund wurden entscheidend. Die reinweiße Blüte verlangte präzise Belichtung – keine ausgefressenen Lichter, keine harten Kontraste. Ich probierte Hintergründe: hell, dunkel, neutral – alles schien möglich. Die Form der Blüte rückte ins Zentrum. Ich suchte neue Blickwinkel, fotografierte Details und wagte ICM-Aufnahmen mit Bewegung.
Zwei Tage arbeitete ich intensiv, meist im Fokusstacking-Modus. Am Ende blieben nur die DNG-Dateien, bearbeitet in Lightroom und Photoshop. Lightroom passte die Belichtung beim Import automatisch an, was bei meiner ETTR-Belichtung oft zu ausgefressenen Lichtern führte. Ein lineares Profil brachte die RAW-Datei in einen neutralen Zustand zurück – der Ausgangspunkt für die finale Bearbeitung.
Ein Bild in Blautönen – irgendwo gesehen – inspirierte mich zur Farbveränderung. Ich griff auf Farbtöne aus der Erinnerung zurück, setzte sie per Verlaufsumsetzung ein und erreichte nach wenigen Versuchen die gewünschte Wirkung. Leider löschte ich das Original – nur die bearbeitete Photoshop-Datei blieb.
Dieses Bild fasziniert mich bis heute. Es wurde der Ausgangspunkt für weitere Experimente. Die Eleganz der Blüte in ihrem neuen „Kleid“ erinnerte mich an ein Zitat von Picasso:
„Farben sind nur Symbole. Die Wirklichkeit liegt allein in der Helligkeit. Wenn ich kein Blau mehr habe, nehme ich Rot. “
In der Wikipedia suchte ich nach der Bedeutung des Namens: „Der Name Calla stammt vom altgriechischen Wort καλός kalós und bedeutet ‚schön‘. “ Dem stimme ich zu. Deshalb wählte ich dieses Wort als Titel.